Auslandsaufenthalt in der Schweiz

Eine Hauptmotivation für mein Auslandssemester war das Kennenlernen bzw. Leben in einem anderen europäischen Land. Die Schweiz stellte dafür bezogen auf den kulturellen Unterschied zu Süddeutschland sicher nicht die größte Herausforderung dar, bot aber dennoch viele interessante und spannende Erlebnisse. Während meiner Zeit in Zürich wohnte ich in einer Gastfamilie mit zwei Töchter, die ungefähr so alt wie ich waren und ebenfalls an der ETH studierten. Auf diese Weise hatte ich gleich Anschluss, Ansprechpartner für Fragen und konnte typisch schweizer Lebensweise aus erster Hand miterleben. So konnte ich die Ferienwohnung in den Bergen mit nutzen, war mit begeisterten ZSC Zürich Fans bei mehreren Eishockey-Spielen, erhielt Tipps für die besten Bars, Christkindlmärkte und Veranstaltungen in der Gegend, bekam die verschiedensten schweizer Nationalgerichte serviert, erlebte Qualifikationsspiele der nächsten Fußballweltmeisterschaft, Roger Federers Sieg bei den Australian Open sowie die Alpine Ski-WM in St. Moritz aus schweizer Perspektive und durfte tagtäglich original Schwizerdütsch mitanhören. Letzteres hörte sich für mich bis zuletzt ein bisschen schräg und witzig an, erwies sich allerdings für mich als Niederbayer als gut verständlich.

Meine Unterkunft lag etwas außerhalb im Nachbarkanton Aargau von Zürich, sodass ich zur Universität im Stadtzentrum 30 Minuten mit der Bahn fahren musste. Mit dem guten Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln tagsüber und Nachtbussen am Wochenende war dies aber kein Problem. Auch auf die ganze Schweiz bezogen bietet die Bahn gute Möglichkeiten, das Land zu erkunden. Sehr empfehlen kann ich dazu ein Halbtax-Abo (sowas wie ne BahnCard 50), die sich für mich definitiv gelohnt hat. Ich war zum Wandern einige Male in den Bergen und unternahm Tagesreisen nach Basel, Luzern, Lausanne und einige Orte im Umland von Zürich. Sehr beeindruckend empfand ich mit Lausanne den französischen Teil der Schweiz, der gerade mal zwei Zugstunden von Zürich entfernt ist, doch eine komplett andere Atmosphäre hatte und mich irgendwie an Passau erinnerte.

Abschließend möchte ich punktuell noch einige persönliche Beobachtungen und Tipps meines Aufenthalts zum Besten geben:

  • Dass die Schweiz als sehr teuer gilt, wusste ich bereits. Nachdem ich sechs Monate hier war, kann ich das definitiv bestätigen. 7 CHF (also knapp 6,60 Euro) für ein Bier in einer Bar ist absolut normal. Allerdings kann ich auch jeden beruhigen, dass man sich relativ schnell an das Preisniveau gewöhnt und sich auch durchaus etwas anpassen kann: Beispielsweise gemeinsam zuhause kochen anstatt Essen zu gehen und WG-Partys anstatt Clubs.
  • Die Wohnungssuche in Zürich ist schwierig. Deshalb möchte ich allen Lesern als Tipp mitgeben, möglichst früh zu beginnen und alle Möglichkeiten aus dem persönlichen Umfeld (Freunde, Arbeitskontakte von Eltern, etc.) miteinzubeziehen. Auf diese Weise bin ich zu meiner Unterkunft gekommen.
  • Schweizer Käse ist das Beste. Egal ob im Fondue, Raclette oder zur Brotzeit – Käse in der Schweiz schmeckt immer lecker und ist alleine schon fast einen Besuch wert.
  • Schweizer haben eine sehr hohe Meinung von sich selbst. Auf mich wirkte das zum Teil überheblich, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass ich trotzdem stets freundlich behandelt wurde und die schweizer Bevölkerung als hilfsbereite und weltoffene Menschen erlebt habe.
  • Die schweizer Bahn funktioniert ausgezeichnet. 5 Minuten Verspätung und damit das Verpassen des Anschlusszugs können jedoch trotzdem vorkommen. Alles in allem hatte ich aber nie größere Verzögerungen, obwohl ich fast täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war.

Insgesamt fand ich mein Auslandssemester richtig toll und habe meine Zeit in Zürich voll genossen. Ich hoffe, dass ich euch mit meinen Schilderungen ein wenig meiner Begeisterung vermitteln konnte. Hier noch zwei weitere Bilder:

Auslandssemester an der ETH Zürich

Im September 2016 begann ich mein Auslandssemester in Zürich an der ETH. Dabei startete ich bereits eine Woche früher und nahm an der ETH Week teil, einer siebentägigen Veranstaltung zum Thema „Challenging Water“. Zusammen mit anderen Teilnehmern aus allen Fachrichtungen und Herkunftsländern, Professoren sowie Vertretern aus der Wirtschaft und NGOs bearbeiteten wir globale Probleme aus dem Bereich Nachhaltigkeit mit dem Fokus auf Wasser. Dabei erlebte ich eine großartige Atmosphäre aus Inspiration, Teamgeist und Motivation, aus der sich erstaunliche Ergebnisse entwickelten. Alles in allem kann ich jedem Austauschstudenten eine Teilnahme als einzigartiges Erfahrung und tolle Gelegenheit, interessante Menschen kennenzulernen, wärmstens empfehlen. Im Folgenden findet ihr eine beispielhafte Impression aus der Woche:

 

Im anschließenden Semester wählte ich Kurse aus dem Bereich Künstliche Intelligenz/Maschinelles Lernen. In diesem Themengebiet ist die ETH meinem Eindruck nach im Vergleich zur Technischen Universität München besser aufgestellt und bietet eine breitere Auswahl an Vorlesungen. Konkret belegte ich die Kurse „Deep Learning“, „Data Mining – Learning von massive Datasets“, „Probabilistic Artifical Intelligence“, „Big Data“ und „Concepts of Object-oriented Programming“. Alle Vorlesungen hatten einen starken Fokus auf konzeptionelle und mathematische Betrachtungen. Durch Arbeitsaufträge parallel zur Vorlesung beinhalten die meisten Veranstaltungen jedoch auch praktische Aspekte. Das Niveau der Kurse war vergleichbar zu dem der TUM. Je nach Anzahl der zu bearbeiteten Projekten bzw. Hausaufgaben konnte der benötigte Arbeitsaufwand allerdings intensiver als bei der TUM ausfallen. Im Gegensatz zu vielen meiner Mitstudierenden hatte ich in Bezug auf das mit meiner Kurswahl allerdings Glück.

Die Universitätsgebäude erwiesen sich als eine willkommene Alternative im Vergleich zu München: Während ich von meiner Heimatuniversität Vorlesungen im fernen Garching gewohnt war, lagen die Informatikgebäude der ETH alle zentral in Mitten der Stadt. Direkt am Campus befand sich ebenfalls der Hochschulsport, der mit einem breiten Angebot super Ausgleichsmöglichkeiten zum Lernalltag bot.